Weiß im Aquarell: Tipps und Materialien

Weiß im Aquarell: So schaffst du weiße Farbflächen

Weiß im Aquarell sorgt oft für eine besonders spannende und ausdrucksstarke Komposition. Mit Weiß lassen sich Lichteinfälle toll darstellen und der Kontrast zwischen Licht und Schatten, oder auch zwischen Hell und Dunkel, fällt besonders kraftvoll aus. 

Doch wie geht das denn jetzt, das Weiß im Aquarell? 

Aquarellfarben lassen sich beliebig untereinander mischen, sodass du damit jede Farbe erzielen kannst. Bei Weiß ist das anders: Du kannst die Farbe nicht mischen – aber es gibt verschiedene Möglichkeiten, um sie in dein Aquarell einzubringen. 

Und genau diese Möglichkeiten wollen wir dir heute aufzeigen!

Weiß im Aquarell durch das Weglassen von Farbe: Die Negativtechnik

In der Regel setzt man beim Aquarell auf das Weglassen von Farbe, um weiße Farbflächen im Bild entstehen zu lassen.

Mit Aquarellfarben malst du in der Regel in Schichten: Du trägst zunächst helle Farben auf und geht Schicht für Schicht über ins Dunkle – oder du trägst deine Farben zuerst sehr verdünnt, später farbintensiver auf.

Das Weiß auf dem Bild entsteht meist durch das Weglassen der Farbe im Aquarell. Eine Farbe nicht zu malen, wird auch als Negativtechnik bezeichnet.

Die Vorgehensweise ist also ganz einfach: Du sparst die Stellen aus, die später Weiß sein sollen. 

Es gibt allerdings einen Haken: Du musst im Prinzip schon von Vorneherein einplanen, wo du das Weiß setzen möchtest. Eine spätere Korrektur im Bild ist mit der Negativtechnik ist nicht möglich.

Weiß im Aquarell: Die Negativtechnik

Negativtechnik Vorteile:

  • Leicht anzuwenden
  • Strahlendes Weiß (so reinweiß wie dein Papier) als Ergebnis

Negativtechnik Nachteile:

  • Technik muss vorab eingeplant werden
  • Keine spontanen Weiß-Ideen im Malprozess möglich
  • Es kann etwas mühsam sein, die Stellen geschickt auszusparen und nicht versehentlich reinzumalen: Dadurch kann dein Flow ein wenig unterbrochen werden

Schummeln erlaubt! Für Weiß im Aquarell gibt es verschiedene Optionen

Doch es gibt auch andere Wege, um Weiß auf dein Aquarell zu bringen. 

Viele Profi-Aquarellierer sehen die „Schummeltricks“ als unprofessionell an, aber wir finden, in der Kunst sollte alles erlaubt sein, was Spaß macht und die Arbeit erleichtert. Schließlich geht es um die Freude am Malen!

Was ein Mr. Experte davon hält, ist egal – wenn du mit Leichtigkeit zu dem Ergebnis kommst, das du dir für dein Bild wünschst!

Hier also weitere Tipps und Tricks, um das Weiß im Aquarell sichtbar werden zu lassen:

Mit Maskierflüssigkeit auf dem Aquarell arbeiten

Weiß im Aquarell mit Maskierflüssigkeit

So genannte Maskierflüssigkeit erleichtert dir den Malprozess und den Umgang mit Weiß im Aquarell. Es gibt die Flüssigkeit in Flaschen als auch in Form von Stiften.

Die Flüssigkeit, auch unter dem Begriff Rubbelkrepp bekannt, wird dort aufgetragen, wo später die weißen Flächen sein sollen. Ist sie getrocknet, kannst du mit Aquarellfarben einfach drüber malen und später, wenn alles getrocknet ist, den Rubbelkrepp einfach abziehen.

Wie trage ich Rubbelkrepp auf?

Am einfachsten ist Rubbelkrepp in Stiftform: Das kannst du spielend leicht einfach aus dem Stift auf das Papier auftragen – von feinen Linien bis hin zu Flächen. Tendenziell ist die Stiftform aber mehr für kleinere Flächen und Formate geeignet.

Wenn du Maskierflüssigkeit im Fläschchen wählst, empfehlen wir dir für den Auftrag einen kleinen Pinsel, um auch feine Linien und kleine Flächen präzise malen zu können. 

Nimm aber auf keinen Fall einen teuren Aquarellpinsel dafür! Wird er nicht sofort hinterher ausgewaschen, ist er nach der Anwendung von Maskierflüssigkeit nicht mehr zu gebrauchen. Wir nehmen also gerne ein ausgedientes oder billiges Pinselmodell zur Hand – oder auch einen speziellen Colour Shaper *– eine Art Pinsel, der statt Haaren eine Spitze aus Hartgummi besitzt. Den Colour Shaper kannst du nach Gebrauch ganz einfach abwaschen und immer wieder verwenden.

Wartezeiten mit Rubbelkrepp einplanen….

Wie lange die Maskierflüssigkeit braucht, bis sie auf dem Bild trocknet, ist unterschiedlich. Unserer Erfahrung nach dauert es etwa eine halbe Stunde, bis du darüber malen kannst. Teste am besten an einer kleinen Stelle zunächst, ob die Flüssigkeit getrocknet ist. Ich tupfe dafür mit einem Kleenex vorsichtig auf die Stelle – klebt die Flüssigkeit am Küchenpapier, ist sie noch nicht ganz trocken.

…und einfach abziehen!

Das Abziehen nach dem kompletten Malvorgang erfolgt ganz einfach: Du kannst Rubbelkrepp mit den Fingern einfach abziehen, wie die Klebereste, die manchmal auf einer Zeitschrift zurückbleiben, wenn ein kleines Extra auf das Cover geklebt wurde. Du kannst auch mit einem Radiergummi arbeiten – aber sehr vorsichtig!

Wichtig ist, dass die Farbe komplett getrocknet ist, bevor du den Rubbelkrepp abziehst. Sonst kann die Farbe noch verlaufen oder das Papier beschädigt werden.

Hier findest du einen weiteren Blogartikel mit einem Video-Tutorial mit dem Maskierstift!

Mit dem Maskierstift auftragen...
Nach dem Malen vorsichtig abziehen...
Weiße Flächen mit Maskierstift
... fertig!

Maskierflüssigkeit Vorteile:

  • Einfach aufzutragen
  • Du kannst nach dem Trocknen auch wild mit Farben malen und musst nicht aufpassen, nicht in die Stellen hineinzumalen, die weiß bleiben sollen – wo Maskierflüssigkeit ist, kommt garantiert keine Farbe hin!
  • Die Technik macht Spaß und oft entstehen spannende, auch ungeplante Effekte 🙂

Maskierflüssigkeit Nachteile:

  • Technik muss vorab eingeplant werden: Noch bevor du mit den Aquarellfarben loslegst, musst du die weiß geplanten Flächen mit Rubbelkrepp bemalen – das kann die Spontanität im Malen eingrenzen
  • Wartezeiten zum Trocknen müssen eingeplant werden
  • Je nach Papier (und Temperament 🙂 ) kann das Papier beim Abziehen des Rubbelkrepps manchmal etwas beschädigt werden

Unsere Empfehlung: Maskierstift eingefärbt von Schmincke

Wir nutzen gerne den eingefärbten Maskierstift von Schmincke. 

Der hat nicht nur den Vorteil, dass er die praktische Stiftform hat, sondern beinhaltet auch bläulich eingefärbte Maskierflüssigkeit. 

Im Vergleich zu sonst oft transparenten Masking Fluids, siehst du mit der eingefärbten Flüssigkeit viel besser, wo du sie aufgetragen hast. 

Mit dem Maskierstift gelingt dir das Weiß im Aquarell ganz leicht!

Mit Wachs weiße Stellen im Aquarell aussparen

Um Weiß im Aquarell auszusparen, kannst du alternativ auch mit Kerzenwachs arbeiten. Von dem Wachs perlt die Farbe ab und du kannst prima drumherum und drüber malen. Auch mit Wachsstiften auf dem Papier vor dem Farbauftrag haben wir gute Erfahrungen gemacht.

Wachs für weiße Farbflächen – Vorteile:

  • Einfach aufzutragen
  • Keine größeren Anschaffungen notwendig – oft hat man Kerzenwachs oder Wachsstifte schon zu Hause
  • Die Technik macht Spaß und ist vor allem für die experimentelle und abstrahierte Aquarellmalerei eine spielerische Bereicherung im Malprozess!

Wachs für weiße Farbflächen – Nachteile:

  • Technik muss vorab eingeplant werden: Noch bevor du mit den Aquarellfarben loslegst, musst du die weiß geplanten Flächen mit Wachs bemalen
  • Die Struktur von Wachsstiften kann sichtbar bleiben – die Flächen erscheinen manchmal nicht rein- und flächig durchgehend weiß
  • Mit Kerzenwachs zu hantieren, ist etwas unpräziser als mit einem Maskierstift oder anderen Methoden

Weiß im Aquarell: Spontan mit Finelinern und Stiften

Du wünschst dir Spontanität beim Aquarellmalen und möchtest dich nicht schon vor dem ersten Pinselstrich festlegen, wo etwas Weiß bleiben soll? 

Du möchtest auch im Malprozess selbst noch eingreifen und weiße Farbflächen gestalten?

Dann sind Stifte, Fineliner und deckende weiße Farben dein Mittel der Wahl! 

Fineliner und Stifte für weiße Farbflächen

Einer unserer Lieblingsstifte ist der weiße Fineliner uni-ball signo UM-153.

Er eignet sich hervorragend für strahlend schöne, weiße Verzierungen: Feine Linien, kleine Schnörkel, Kringel oder Punkte zaubert der Fineliner schnell und einfach auf dein Aquarell. Du kannst den Stift jederzeit anwenden, sobald deine Aquarellfarben trocken sind. Er deckt auf hellen und dunkleren Farben und lässt sich – als Tintenstift – auch wieder mit Wasser vermalen, wenn dir doch etwas an deinen weißen Farbflächen nicht gefällt. 

Auch sehr gut geeignet sind Posca Acrylmarker

Die Acrylstifte haben eine etwas kräftigere Spitze als der uni-ball Fineliner, sodass sich damit auch größere Flächen oder Bereiche leicht weiß bemalen lassen. Mit Acyrlfarbe gefüllt, decken die Posca Marker hervorragend auf den Aquarellfarben (du kannst sie auch zweifach auftragen, um ein noch strahlenderes Weiß auf dunkleren Untergründen zu erzielen). 

Die Marker liegen in Stiftform leichter in der Hand, als wenn du Acrylfarbe aus der Tube mit dem Pinsel auftragen musst. Gerade bei spontanen Ideen im Malprozess sind da Fineliner und Marker im Vorteil!

Uniball weiß Fineliner
Der weiße Fineliner: Toll für feine Linien und Verzierungen
Posca Acrylmarker
Posca Acrylmarker - gibt's in Weiß und vielen Farben

Weiße Fineliner und Stifte – Vorteile:

  • Einfach aufzutragen
  • Spontan auch während des Malens jederzeit möglich: So hast du größtmögliche Freiheit!

Weiße Fineliner und Stifte – Nachteile:

  • Bei größeren Flächen wird der Auftrag mühsam oder manchmal auch ungleichmäßig: Stifte und Fineliner sind eher für kleinere Bereiche geeignet

Gouache- und Acrylfarben: Mixed Media Spaß für dein Weiß!

Mit weißer Farbe aus der Tube schaffst du schnell auch größere weiße Farbflächen im Aquarell. 

Gouachefarben sind Farben auf Wasserbasis. Mit ihnen kannst du deckend auch über den getrockneten Aquarellfarben arbeiten. 

Noch besser decken allerdings Acrylfarben: Wenn du weiße Acyrlfarbe zur Hand nimmst, kannst du spielend leicht auch großzügig Weiß in dein Aquarell bringen.

Acylfarbe trägst du am besten mit einem Flach- oder Borstenpinsel auf, auf kleineren Flächen ist auch ein Rundpinsel geeignet. Wenn es experimenteller zugehen soll und dein Bild einen abstrakten Look verträgt, können auch Spachtel und Malmesser zum Einsatz kommen. 

Das Schöne: Acrylfarben kannst du in dünner Farbschicht auftragen oder auch pastos, sodass Strukturen sichtbar werden oder auch kleine Reliefe entstehen. Das kann dein Aquarell noch einmal mehr zu etwas Besonderem machen. Hab Spaß am Experimentieren und Ausprobieren!

Aquarellbild vorher
Aquarellbild als Grundlage...
Acrylfarbe
Dann kommt Acrylfarbe...
Aquarell mit Acryl übermalt
...und ein ganz neues Bild entsteht!

Weiße Acrylfarbe – Vorteile:

  • Die Farbe deckt sehr gut
  • Auch große Bildbereiche lassen sich spielend leicht mit Weiß übermalen
  • Du kannst die Farbe spontan jederzeit im Malprozess einsetzen

Weiße Acrylfarbe – Nachteile:

  • Acrylfarben lassen sich nicht einfach auswaschen: Pinsel müssen gereinigt, Tisch und Unterlagen ggf. abgedeckt werden, damit nichts daneben geht. Das bedarf etwas Vorbereitung
  • Mit Stiften kannst du oft leichter filigran arbeiten als mit Acrylfarben aus der Tube

Weiß im Aquarell – du hast die Wahl

Du hast also verschiedene Möglichkeiten, um Weiß in dein Aquarell zu bringen:

  • Farbe weglassen (Negativtechnik)
  • Maskierflüssigkeit / Rubbelkrepp verwenden
  • Mit Kerzenwachs arbeiten
  • Wachsstifte verwenden
  • Mit einem weißen Fineliner malen
  • Mit weißen Acrylmarkern malen
  • Mit weißer Acrylfarbe oder Gouachefarbe arbeiten


Wir lieben die Abwechslung: Oft kommt einfach ein weißer Fineliner oder Marker zum Einsatz. Bei größeren Flächen die Acrylfarbe. Die Maskierflüssigkeit nehmen wir gerne für Experimente her oder wenn ein Bild von Vorneherein geplant ist.

Probiere einfach aus, was dir am besten liegt und was zu deinem Malstil und deinen Motiven am besten passt!

Hab einen kreativen Tag!

Dein Happy Painting!-Team

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