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Acrylic Pouring: Alle Infos zur faszinierenden Fließtechnik

Kennst du schon Acrylic Pouring – den Trend in der Acrylmalerei, aus den USA zu uns nach Europa herübergeschwappt ist – und schon zahlreiche begeisterte Anhänger gefunden hat?

Acrylic Pouring ist hierzulande auch als Acryl Fließtechnik bekannt und bezeichnet einen sehr experimentellen Stil, um wunderbare abstrakte Acrylgemälde zu erschaffen. Das Besondere daran: Die Ergebnisse sind nicht vorhersehbar. Jedes Bild, das in Acryl Fließtechnik gestaltet wird, ist ein Experiment, ein kreatives Spiel, das einzigartige Resultate hervorbringt. Du möchtest das auch ausprobieren? Wir haben dir hier einen kleinen Ratgeber zum Acrylic Pouring zusammengestellt, der dich mit den wichtigsten Punkten vertraut macht.

Erfahre hier, was du für die Acryl Fließtechnik brauchst und wie du Schritt für Schritt vorgehst!

Acrylic Pouring: Das herrliche Spiel mit den Farben

Acrylic Pouring Bilder

Was ist Acrylic Pouring?

Beim Acryl gießen werden verschiedene Acrylfarben miteinander vermischt und auf die Leinwand gebracht. Dabei geht man nicht mit einem Pinsel vor, sondern arbeitet mit einer größeren Farbmasse direkt auf der Leinwand. Man lässt die Farben fließen – in verschiedene Richtungen und ineinander. Je nach Technik werden die Farben direkt auf die Leinwand geschüttet oder vorher in Bechern gemischt und in diesen auf den Malgrund gestülpt.

Damit die Acryl Fließtechnik funktioniert, müssen die Farben verdünnt werden. Am besten geht das mit speziellen Bindemitteln, die für das Acryl Pouring angeboten werden. Aber auch mit Hausmittelchen lassen sich schöne Fließeffekte erzielen – dazu später in diesem Ratgeber noch mehr.

Im Trend liegt das Acrylic Pouring mit Zellbildung: Dafür wird den Farben jeweils noch Silikon hinzugegeben, das für das Aufspringen der Farben sorgt und tolle organische Strukturen hervorbringt. Genau dieser Prozess macht die Gießtechnik in Acryl im Moment so beliebt. Die Zellstrukturen lassen sich nicht vorplanen, sondern entstehen immer wieder neu und andersartig. Umso schöner ist das Spiel mit den Farben!

Was du für die Acryl Fließtechnik brauchst

Um mit der trendigen Acryltechnik zu beginnen, solltest du deinen Arbeitsplatz vorbereiten und die entsprechenden Materialien alle bereitlegen. Da das Spiel mit den Farben ganz schön „ausufern“ kann (die Farben tropfen und laufen…), ist es schwierig, zwischendurch noch einmal vom Arbeitstisch wegzuspringen und mögliche fehlende Materialien zu beschaffen. Deshalb: Eine gute Vorbereitung ist alles!

Was du auf jeden Fall an Materialien brauchst:

  • Keilrahmen
  • Becher, um die verschiedenen Farben anzumischen (Plastikbecher sind ideal)
  • Etwas zum Umrühren der Farben (z.B. Holzstäbchen)
  • Einmalhandschuhe
  • Ggf. einen Spachtel oder ein Malmesser, um später die Farbe auf der Leinwand zu verstreichen

Was du an Farben und Mittelchen brauchst:

  • Acrylfarben in beliebigen Farbtönen (am besten relativ flüssige Farbe)
  • Acrylfarbe in Weiß (für spannende Effekte besonders empfehlenswert)
  • Ein Acrylic Pouring Medium (dazu gleich mehr)
  • Silikonöl oder Silikonspray (wenn du eine Zellenbildung haben möchtest)
  • Etwas Wasser

Wir empfehlen, deinen Arbeitstisch auf jeden Fall mit Folie abzudecken, wenn du direkt auf dem Tisch arbeitest. Besser noch ist es, eine größere, flache Kiste, eine Pappe oder einen größeren Plastikdeckel zu nutzen, um darauf zu arbeiten.

Damit deine Leinwand später gut trocknen und die Farbe gleichmäßig abtropfen kann, ist es ratsam, die Leinwand auf eine kleine Erhöhung zu legen. Ganz einfach geht das, indem du die Leinwand zum Arbeiten und Trocknen auf vier gleich hohe Becher stellst.

Acrylic Pouring Material

Das richtige Pouring Medium für die Acryl Gießtechnik

Damit die Acrylfarben auf der Leinwand gut fließen können und sich die gewünschten Effekte einstellen, müssen die Farben verdünnt werden. Wasser allein genügt hier nicht. Es braucht ein so genanntes Pouring Medium. Das gibt es als fertiges Produkt im Handel speziell für das Acrylic Pouring. Du kannst alternativ aber auch Mittel aus dem Baumarkt verwenden.

Hier eine kleine Übersicht über verschiedene Pouring Medien:

Liquitex Professional Gießmedium

Dieses spezielle Malmittel ist ideal für Gieß- und Marmoriertechniken. Es lässt sich mit allen Acrylfarben verwenden und erhält die Leuchtkraft der Farben.

Floetrol

Eigentlich ein Mittel aus dem Baumarkt, wird es besonders häufig auch in den USA als Pouring Medium eingesetzt. Es sorgt für einen guten Fluss der Farben und lässt sich ebenfalls mit allen Acrylfarben verwenden.

PVA-basierter Kleber

Diesen Kleber findest du in so gut wie jedem Baumarkt. Er ist die oft günstigere Alternative zu Liquitex und Floetrol und oft auch leichter direkt vor Ort zu bekommen. Es gibt verschiedene PVA-basierte Kleber. Du kannst hier zum Beispiel auf Holzleim von Pattex zurückgreifen.

Farben anmischen für das Acrylic Pouring

Du hast alles bereit? Prima, dann kann es jetzt losgehen! Zunächst verdünnst du die Acrylfarbe, die du verwenden möchtest, mit dem Pouring Medium. Du kannst das Medium mit der Farbe jeweils etwa 1:1 mischen – das heißt, gleich viele Teile Farbe wie Pouring Medium.

Einige Künstler nehmen zusätzlich noch etwas Wasser dazu, wenn sie die Farben mit dem Bindemittel schon vermischt haben. Hier reicht jedoch eine kleine Menge aus.

Die Mischverhältnisse sind nur Richtwerte und können je nach Konsistenz der Acrylfarben und des Mediums abweichen.

Die richtige Konsistenz haben deine Farben, wenn sie sich in etwa so verhalten wie flüssige Schokolade. Die Farbe sollte fließen, aber immer noch feine Fäden ziehen, wenn du sie vom Holzstäbchen tropfen lässt.

Gib nun, wenn du ein Bild mit Zellenbildung haben möchtest, auch noch das Silikonöl oder Silikonspray zu deinen Farben hinzu. Ein bis zwei Tropfen reichen pro Farbe aus – oder beim Spray zwei bis drei Stöße.

Aber Achtung: NICHT in die weiße Farbe mit hineinmischen! Diese bleibt ohne Silikon, sodass die anderen Farben später durch das Weiß hindurch „aufbrechen“ können.

Rühre deine Farben dann noch einmal vorsichtig um.

Acryl gießen: Die verschiedenen Techniken

Die Farben sind vorbereitet, alle Materialien liegen bereit, du hast deine Handschuhe an – jetzt kann es losgehen!

Du kannst nun verschiedene Techniken ausprobieren, von denen wir dir einige hier vorstellen möchten.

Der Flip Cup

Der Flip Cup ist besonders beliebt beim Acrylic Pouring: die einzelnen Farben, die du ausgewählt hast, werden in einen gemeinsamen Becher gegossen und vorsichtig etwas umgerührt. Dann wird der Becher auf die Leinwand gestülpt und langsam hochgehoben. Am einfachsten ist das Handling, wenn du die Leinwand zuerst auf den Becher stellst und dann das Konstrukt einfach um 180 Grad drehst.

Das Weiß wird entweder direkt in den Becher mit hineingegeben oder um den umgestülpten Becher herum auf der Leinwand großzügig verteilt.

Die Farben verbreiten sich nach Hochheben des Bechers auf der Leinwand. Kippe die Leinwand einfach ein wenig hin und her, damit die Farbe überall hin verläuft.

Der Dirty Pour

Der Dirty Pour funktioniert ähnlich wie der Flip Cup. Die Farben werden in einen gemeinsamen Becher gegossen und vorsichtig umgerührt. Dann wird der Becher jedoch nicht, wie beim Flip Cup, auf die Leinwand gestülpt, sondern die Farben werden ausgegossen. Auch hier bewegt du dann die Leinwand so lange hin und her, bis sich die Farbe gleichmäßig auf dem Malgrund verteilt hat.

Der Puddle Pour

Hier kommen die einzelnen Farben nicht erst in einen gemeinsamen Becher, sondern werden direkt aus den einzelnen Bechern auf die Leinwand gegossen. Dabei wird die zweite Farbe direkt in die erste Farbe hineingegossen, die dritte Farbe dann in die zweite usw. Anschließend wird auch hier die Leinwand leicht hin und her bewegt, damit sich die Farben verteilen.

Du kannst die Farben auch auf mehrere Bereiche der Leinwand gießen, statt nur in einem Bereich zu bleiben. So ergeben sich besonders spannende Effekte.

Die Swipe-Technik

Bei der Swipe-Technik arbeitest du mit einem Spachtel oder Malmesser. Die Farbe oder mehrere angemischte Farben werden auf die Leinwand gegossen. Dann wird die weiße Acrylfarbe auf einer Seite der Leinwand großzügig darüber gegossen. Diese wird dann mit dem Spachtel oder Malmesser wie ein Netz über die aufgetragene Farbschicht gezogen. Die unten liegenden Farben bahnen sich ihren Weg durch das Weiß und ergeben spannende Effekte. Hier ist das Silikon ausschlaggebend, das bei dieser Technik unbedingt in den Farben (bis auf Weiß!) enthalten sein sollte.

Acrylic Pouring: Wie kommen die schönen Zellen ins Bild?

Silikonöl ist das Geheimnis hinter der Zellstruktur beim Acrylic Pouring. Allerdings reicht die Zugabe allein nicht immer aus – jedes Bild ist ein Experiment mit offenem Ausgang. Wichtig ist auch die Zusammensetzung der Farben, die richtige Technik und das Verhältnis der Farben zueinander.

Jede Farbe hat eine spezielle Dichte. Eine sehr dichte Farbe wie Weiß sinkt durch weniger dichte Farben hindurch, wodurch diese an die Oberfläche treten. Durch das Silikon bleiben einzelne Farben getrennt voneinander und die Farben springen sozusagen auf und zeigen sich in Form von Zellen.

Hier hilft oft einfach probieren, experimentieren, neugierig sein.

Eine kleine Hilfe für die Zellbildung kann Wärme sein: Viele Künstler nehmen einen Küchenbrenner zur Hand, um die Oberfläche des Bildes vorsichtig zu flambieren. Durch die Hitze verpufft die Farbe, die oben aufliegt. Auch ein Heißluftföhn kann hier gute Dienste leisten.

Trocknen und Versiegeln deines Gieß-Werks

Da im Acrylic Pouring viel Farbe verwendet wird, braucht dein Bild entsprechende lange, um vollständig zu trocknen. Rechne hier mit einer Trocknungsdauer von rund 24 bis 48 Stunden. Lasse das Bild auf jeden Fall in ebener Lage trocknen (am besten auf einem Podest aus Bechern o.ä., wie oben beschrieben). So stellst du sicher, dass sich nichts mehr am Farbenspiel verzerrt oder bewegt.

Ist dein Bild vollständig getrocknet, kannst du es zum Schutz der Farben und vor äußeren Einwirkungen versiegeln. Eine klassische Acryl-Firnis leistet hier gute Dienste – oder auch Epoxidharz, im Englischen auch unter „Resin“ oder „Art Resin“ bekannt. Damit kannst du dein Bild mit einer transparenten, hochglänzenden und äußerst stabilen Schutzschicht versehen, die ihm noch einmal einen ganz eigenen Charakter und eine edle Optik verleiht.

Und jetzt: Viel Spaß mit Acrylic Pouring!

Mehr Informationen rund ums Acrylmalen findest du in unserer Themenwelt oder auch bei Julia Fasshauer im Farbcafé.